Presseschau

Karriere angestupst - die BKA über die Zirkusschule

Karriere angestupst

von Céline Graf

Die Hauptstadt bekommt ihr erstes Zirkushaus: Am neuen Standort im Rossfeld lädt die Zirkusschule Bern zum Eröffnungsfest.

Die Zirkusschule Bern unterrichtet rund 170 Schülerinnen und Schüler und hat auch schon internationale Karrieren in der Manege angestupst. Nun startet sie mit einem ausgebauten Angebot in den Sommer. Dazu gehören ein Quartiercafé mit Zirkusbibliothek, ein Zirkus-Fitnesskurs für Erwachsene, die ihre Kinder in den Unterricht bringen, eine Familiendisco sowie ein Sieben- statt Vier-Tage-­Kursprogramm für die jungen Clowns, Akrobatinnen und Jongleure.
Möglich macht dies der neue Standort an der Reichenbachstrasse im Rossfeld. Der Verein Zirkusschule Bern darf die Turnhalle und Büros des ehemaligen Bildungszentrums Pflege für circa eineinhalb Jahre zwischennutzen. Ab 2020 baut die Stadt dort eine neue Wohnsiedlung, weshalb die Suche nach einer definitiven Bleibe weitergeht.

Zirkus ist Teamwork

Erst einmal aber wird die Eröffnung von Berns erstem Zirkushaus gefeiert – mit Schülervorführungen und einer Show des Zauberers Magic Hene. Bis zum 30. Juni laufen die Arbeiten auf Hochtouren. Das neue Kursmaterial, für das via Crowdfunding 11 000 Franken gespendet worden sind, und die bisherige Einrichtung werden hergeschafft. An der Hallendecke wird zudem eine Hängekonstruktion installiert. Viel Arbeit bis zur letzten Minute, aber «mit einem Team, das zusammenhält, klappt es am Schluss immer irgendwie», sagt Direktorin Tania Steiner. «So läuft das im Zirkus.»

https://bka.ch/artikel/buehne/karriere-angestupst

Die BZ über die Zirkusschule Bern, 29.06.2018

Die Direktorin und ihr innerer Clown

Stadt Bern

Tania Steiner ist die Gründerin der ­Zirkusschule Bern. Am ­Samstag eröffnen sie und ihr Team mit einem grossen Fest die neuen Räumlichkeiten in der Reichenbachstrasse.

«Hurra, die Popcornmaschine funktioniert!», ruft jemand. Tatsächlich, es ploppt. Im Zirkushaus an der Reichenbachstrasse bereitet man sich auf die grosse Einweihung vor. Tania Steiner, Gründerin der Zirkusschule Bern, hat für sich und ihr Team ein neues Zuhause ­gefunden. Die Zwischennutzung garantiert der Schule eineinhalb Jahre Sesshaftigkeit. «Endlich haben wir alles an einem Ort», sagt Steiner.

Eine grosse Turnhalle, ein Büro und jede Menge Platz für Requisiten und Kostüme stehen der Schule nun zur Verfügung. Für den Fotografen setzt sich Steiner den grünen Direktorenhut auf und turnt, obwohl sie schwanger sei und sich gerade ­etwas schone, an dem von der Decke hängenden Seil.Anfangs hat Steiner im Alleingang «Zirkus» unterrichtet, sprich Kurse in Clownerie und Akrobatik für Kinder angeboten.

Ein Keller am Hirschengraben stand ihr damals zur Verfügung. Es war ein Bericht von 2014 in dieser Zeitung, der den Cello spielenden Zirkusartisten Stefan Wepfer ­dazu veranlasste, sich bei Steiner zu melden. Er war be­geistert von der Idee einer ­Zirkusschule, und Steiner konnte ihn als Lehrer für ihre ersten ­Erwachsenenkurse engagieren. Mittlerweile unterrichten sechs Lehrerinnen und Lehrer, alles Zirkusprofis, an ihrer Schule Clownerie und Akrobatik.

Die 45-Jährige kümmert sich momentan ums Management, später möchte sie sich wieder mehr ihrem Spezialgebiet, der Clownerie, widmen. Sie ist überzeugt, dass alle einen potenziellen inneren Clown ­haben. «Um ein guter Clown zu sein, brauchst du Selbsterkenntnis.»

Alles unter einem Hut

Steiner ist es gewohnt, mehrere Projekte gleichzeitig zu jonglieren. Die studierte Sozialpädagogin arbeitete lange in der Suchtprävention, spielte Gitarre in der Band Midgets oder organisierte die während des Strassen­musik­festivals Buskers stattfindenden Transformator-Projekte, bei denen Artisten und Liftboys den Mattelift bespielen.

«Ich bin eine Anreisserin», begründet sie diese Vielseitigkeit. «Ich habe ­immer Phasen, in denen ich mich intensiv mit einem Projekt beschäftige.» Mitarbeitende hätten ihr einst den Spitznamen «The ­Machine» verpasst.

Ganze drei Jahre lang habe sie nebenberuflich gratis für ihre ­Zirkusschule gearbeitet. Heute kann sie davon leben, der gegründete Verein bezahlt ihren Lohn. Im Zirkus kann Steiner ihre ­Erfah­rungen als Pädagogin, Musikerin und Projektleiterin unter einen Hut bringen. Auch die ­KV-Lehre, die sie einst auf Wunsch der Eltern und äusserst widerwillig absolviert habe, sei ihr jetzt von Nutzen.

Geweint ­habe sie, als sie den Lehrvertrag unterschrieben habe, erinnert sie sich ­lachend. «Als Zirkusdirektorin landen alle Probleme bei dir, und du musst sie lösen», sagt sie. Man baue Strukturen, in denen sich andere verwirklichen könnten.

Kleinste Maske der Welt

Am Eröffnungsfest präsentieren die mittlerweile über hundert Schülerinnen und Schüler in Showblöcken, die jeweils zur ­vollen Stunde beginnen, ihr ­Können. Als Highlight tritt die ehemalige Schülerin Anjaluna mit dem Clown Manfresco auf. Clownerie, Strapaten – die in der Luftakrobatik verwendeten ­Bänder – und Jonglage stehen auf dem Programm. Anjalunas Talent sei von Anfang an augenfällig gewesen, so Steiner.

Die junge Artistin verfolgt mittlerweile eine internationale Karriere. Doch auch für jene, die nur als Hobby den Clown geben, lohnt sich der Einsatz. «Die rote Nase ist die kleinste Maske der Welt. Wer sie aufsetzt, der kann er selber sein», sagt ­Steiner.

Einweihungsparty: Samstag ab 9.30 Uhr im Berner Zirkushaus, Reichenbachstrasse 118, 3004 Bern. Mehr Infos: www.zirkusschulebern.ch (Berner Zeitung)

Erstellt: 29.06.2018, 20:09 Uhr

https://www.bernerzeitung.ch/region/bern/die-direktorin-und-ihr-innerer-clown/story/17560724